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<title>Caliga</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Caliga</span></h1>
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<p>Die <b>Caligae</b> (Singular: <b>Caliga</b>) waren die Marschstiefel des <a href="R%C3%B6misches_Reich" title="Römisches Reich">römischen</a> Militärs, die von der <a href="R%C3%B6mische_Republik" title="Römische Republik">Römischen Republik</a> bis in die hohe <a href="R%C3%B6mische_Kaiserzeit" title="Römische Kaiserzeit">Römische Kaiserzeit</a> von den <a href="R%C3%B6mische_Legion" title="Römische Legion">Legionären</a> getragen wurden. Caligae werden häufig als eine Art <a href="Sandale" title="Sandale">Sandale</a> beschrieben, bestanden allerdings im Gegensatz zur typischen Sandale nicht aus einer mit Riemen am Fuß gehaltenen <a href="Schuhsohle" title="Schuhsohle">Sohle</a>, sondern aus einem den Fuß fest umschließenden, vielfach durchbrochenen Oberschuh, der zusammen mit der obersten Lage der Sohle aus einem Stück gefertigt wurde. Die <a href="Etymologie" title="Etymologie">Herkunft</a> der erstmals bei <a href="Marcus_Tullius_Cicero" title="Marcus Tullius Cicero">Cicero</a> belegten Bezeichnung <i>caliga</i> ist ungeklärt, auch wenn verschiedene Vermutungen geäußert wurden.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> So vermutete <a href="Isidor_von_Sevilla" title="Isidor von Sevilla">Isidor von Sevilla</a>, dass ihr Name abgeleitet von dem harten Leder <i>(callus)</i> sei oder von der Tatsache, dass sie gebunden wurden <i>(ligare)</i>.<sup id="cite_ref-Isidor_2-0" class="reference"><a href="#cite_note-Isidor-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Das Wort bezeichnete auch allgemein einen bis an das Ende des <a href="Schienbein" title="Schienbein">Schienbeins</a> reichenden Stiefel bzw. einen Halbstiefel, dessen Sohle bei gemeinen Leuten mit <a href="Nagel#Schuhnagel" title="Nagel">Nägeln</a> beschlagen war. Im <a href="Metonymie" title="Metonymie">übertragenen Sinn</a> stand es für den „Dienst eines gemeinen Soldaten“.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Konstruktion">Konstruktion</h2></div>
<p>Das Oberleder der Caligae wurde aus einem Stück Leder gefertigt, dessen zentraler Bereich die oberste Schicht der Sohle bildete, welche von einem komplizierten System aus <a href="Lasche" title="Lasche">Laschen</a> umgeben war. Dieses Muster wurde an der <a href="Ferse" title="Ferse">Ferse</a> vernäht und über dem <a href="Fu%C3%9Fr%C3%BCcken" class="mw-redirect" title="Fußrücken">Fußrücken</a> mit einem Riemen geschlossen, der durch die perforierten Enden der Laschen gezogen wurde. Die große Einheitlichkeit der gefundenen Caligae und die Tatsache, dass das Schnittmuster für das Oberleder eine effiziente Verwertung des Leders für mehrere Exemplare bei geringen Materialverlusten ermöglichte, lassen vermuten, dass die Schuhe für die Massenproduktion entworfen und möglicherweise nach ausgegebenen Vorlagen gefertigt wurden.<sup id="cite_ref-Himmler197Cowan_4-0" class="reference"><a href="#cite_note-Himmler197Cowan-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Sohle wurde durch zwei weitere Lagen Leder auf eine Gesamtdicke von etwa acht Millimetern verstärkt. Die Unterseite der Sohle wies kein <a href="Schuhsohle" title="Schuhsohle">Profil</a> und keinen <a href="Absatz_(Schuh)" title="Absatz (Schuh)">Absatz</a> auf, war dafür aber mit 80 bis 90 <a href="Eisen" title="Eisen">Eisennägeln</a> mit halbkugeligen Köpfen (<i>clavi</i>, Einzahl <i>clavus</i>) besetzt. Dazu wurde die eingeweichte Sohle auf einem <a href="Amboss" title="Amboss">Amboss</a> fixiert und die Nägel wurden von der Unterseite her so eingeschlagen, dass sie sich beim Auftreffen auf den Amboss verbogen und die Sohle hakenartig zusammenhielten.<sup id="cite_ref-Himmler197_5-0" class="reference"><a href="#cite_note-Himmler197-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die <i>clavi</i> verstärkten dadurch die Sohle, schützten sie vor Abnutzung und waren so angeordnet, dass sie den Fuß ergonomisch unterstützten.<sup id="cite_ref-Cowan_6-0" class="reference"><a href="#cite_note-Cowan-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Jeder Legionär erhielt nach einer gewissen Marschstrecke eine fixe Anzahl an Nägeln, die als „Ersatzteile“ verwendet wurden. Damit wurden die Caligae funktionstüchtig gehalten. Insgesamt wog ein Paar Caligae etwa 1300 Gramm.<sup id="cite_ref-Legionen_158_7-0" class="reference"><a href="#cite_note-Legionen_158-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p><a href="Sueton" title="Sueton">Sueton</a> erwähnt in seinen Kaiserviten eine <i>caliga speculatoria</i>, die von den <a href="Pr%C3%A4torianer" title="Prätorianer">Prätorianern</a> getragen wurde.<sup id="cite_ref-Suetonius_8-0" class="reference"><a href="#cite_note-Suetonius-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Da über diese Schuhe nichts weiter bekannt ist, haben manche moderne Autoren vermutet, dass es sich dabei um eine leichte Variante für Kundschafter <i>(speculatores)</i> gehandelt haben könnte, wofür es allerdings keine eindeutigen Hinweise gibt.<sup id="cite_ref-Oxford_9-0" class="reference"><a href="#cite_note-Oxford-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Funde_und_antike_Darstellungen">Funde und antike Darstellungen</h2></div>
<p>An Fundplätzen aus dem 1. Jahrhundert, insbesondere am <a href="Limes_(Grenzwall)" class="mw-redirect" title="Limes (Grenzwall)">Limes</a>, wurden zahlreiche Caligae geborgen. Bei guten Bodenbedingungen sind sowohl ihre Leder- als auch ihre Metallbestandteile erhalten. Abdrücke der genagelten Sohlen sind auf Tonziegeln erhalten.<sup id="cite_ref-Goldman_123_10-0" class="reference"><a href="#cite_note-Goldman_123-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Neben den Funden gibt es zahlreiche bildliche Darstellungen von Caligae, so zum Beispiel auf der <a href="Trajanss%C3%A4ule" title="Trajanssäule">Trajanssäule</a>. Auf Grabmonumenten römischer Soldaten ist häufig der Grat, der durch das Schnüren der Caligae über dem Fußrücken entsteht, das einzige modellierte Element, während der Rest des Schuhs wahrscheinlich ursprünglich aufgemalt war und heute nicht erhalten ist.<sup id="cite_ref-Sumner_11-0" class="reference"><a href="#cite_note-Sumner-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<ul class="gallery mw-gallery-traditional">
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Sohlen von Caligae im <a href="Saalburgmuseum" class="mw-redirect" title="Saalburgmuseum">Saalburgmuseum</a></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Caligae auf der <a href="Trajanss%C3%A4ule" title="Trajanssäule">Trajanssäule</a> in Rom</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Abdruck der Sohlennägel einer Caliga auf einem Ziegel der <a href="Legio_X_Gemina" title="Legio X Gemina">Legio X Gemina</a> (<a href="Museum_Het_Valkhof" title="Museum Het Valkhof">Museum Het Valkhof</a>)</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Caligae auf dem <a href="Septimius-Severus-Bogen" title="Septimius-Severus-Bogen">Septimius-Severus-Bogen</a> in Rom</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Caliga auf dem Septimius-Severus-Bogen in Rom. Hier ist der geschnürte Grat über dem Fußrücken erkennbar.</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Caliga auf dem Septimius-Severus-Bogen in Rom (Nahaufnahme)</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Fragment einer Statue aus den <a href="Vatikanische_Museen" title="Vatikanische Museen">Vatikanischen Museen</a>; der Fuß ist mit einer Sandale, eventuell mit einer Caliga beschuht</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Fuß einer bronzenen Reiterstatue mit Caliga</div>
</li>
</ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einsatz">Einsatz</h2></div>
<p>Caligae waren die Standard-Fußbekleidung für die Mannschaftsränge der Legionen sowie die höheren Ränge bis zum <a href="Centurio" title="Centurio">Centurio</a>. Die <a href="Milit%C3%A4rtribun" title="Militärtribun">Tribunen</a> und <a href="Legatus" title="Legatus">Legaten</a> trugen dagegen traditionelle, geschlossene Stiefel (<a href="Calceus" title="Calceus">Calceus</a>). Neben den Legionären trugen auch die Fußtruppen und die Reiterei der <a href="Auxiliartruppen" title="Auxiliartruppen">Auxiliartruppen</a> Caligae.<sup id="cite_ref-Legionen_158_7-1" class="reference"><a href="#cite_note-Legionen_158-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In der römischen <a href="Kavallerie" title="Kavallerie">Kavallerie</a> konnten die Caligae mit zusätzlichen Sporen ausgestattet sein.<sup id="cite_ref-Simkins_12-0" class="reference"><a href="#cite_note-Simkins-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Gegen Ende des ersten Viertels des 2. Jahrhunderts scheinen die klassischen Caligae zumindest in den nördlichen Provinzen außer Mode geraten und durch geschlossene Schuhe ersetzt worden zu sein. Dies könnte eine Folge ihrer geringeren Eignung für kühleres Klima oder des aufwändigen Anlegens der Schuhe gewesen sein.<sup id="cite_ref-Goldman_123Reiter_13-0" class="reference"><a href="#cite_note-Goldman_123Reiter-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> So benötigte das korrekte Anlegen eines Caligae-Paars im Experiment drei bis vier Minuten.<sup id="cite_ref-Legionen_159_14-0" class="reference"><a href="#cite_note-Legionen_159-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Bei <a href="Experimentelle_Arch%C3%A4ologie" title="Experimentelle Archäologie">experimentalarchäologischen Versuchen</a> erwiesen sich Caligae als robust und dem Fuß gut Halt gebend. Durch die Schnürung an der Vorderseite konnte die Caliga in gewissem Umfang an die Fußform und die Bedürfnisse des Trägers angepasst werden. Die offene Konstruktion erlaubt das Eindringen von Schmutz und Wasser, die den Schuh aber genauso leicht wieder verlassen können, während die gute Belüftung der Ansammlung von <a href="Schwei%C3%9F" title="Schweiß">Schweiß</a> und damit der Bildung von <a href="Hautblase" title="Hautblase">Blasen</a> vorbeugte. Die Sohlennägel schützten zum einen die Ledersohle vor Abnutzung und gaben zum anderen, ähnlich wie die <a href="Stollen_(Schuh)" title="Stollen (Schuh)">Stollen</a> moderner Schuhe, auf weichem oder unebenem Boden festen Halt. Auf sehr hartem Boden schützten Caligae den Fuß allerdings nicht vor Erschütterungen, was teilweise durch eine angepasste Gehweise mit Aufsetzen der <a href="Ballen" title="Ballen">Zehenballen</a> vor der Ferse kompensiert werden konnte.<sup id="cite_ref-Legionen_159f_15-0" class="reference"><a href="#cite_note-Legionen_159f-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Auf hartem, glattem Boden bot die genagelte Sohle wenig Halt und barg die Gefahr des Ausrutschens. So beschreibt <a href="Flavius_Josephus" title="Flavius Josephus">Flavius Josephus</a>, wie der römische Zenturio Julianus während der Belagerung des <a href="Herodianischer_Tempel" title="Herodianischer Tempel">Jerusalemer Tempels</a> auf dem Boden ausglitt und anschließend von den jüdischen Aufständischen getötet werden konnte.<sup id="cite_ref-FJ_VI.1_16-0" class="reference"><a href="#cite_note-FJ_VI.1-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Während die Caligae den Fuß beim Marschieren ausreichend warm hielten, war beim Rasten oder Wachestehen, besonders in kaltem Klima, ein weiterer Schutz des Fußes durch <a href="Gamasche" title="Gamasche">Gamaschen</a> oder <a href="Str%C3%BCmpfe" class="mw-redirect" title="Strümpfe">Strümpfe</a> notwendig. Solche Hilfsmittel sind zum Beispiel auf Relief A der <a href="Cancelleria-Reliefs" title="Cancelleria-Reliefs">Cancelleria-Reliefs</a> dargestellt,<sup id="cite_ref-17" class="reference"><a href="#cite_note-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> ihr Gebrauch ist aus der antiken Literatur und aus Soldatenbriefen nachgewiesen.<sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Für Kavalleristen war ein zusätzlicher Schutz besonders wünschenswert, da zum einen ihr weniger bewegter Fuß schneller fror, zum anderen das ungeschützte Schienbein beim Reiten empfindlicher für Verletzungen war.<sup id="cite_ref-Reiter_19-0" class="reference"><a href="#cite_note-Reiter-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Bei langen Märschen erhielten die Soldaten einen als <i>clavarium</i> bezeichneten Soldbonus, um verbrauchte Sohlennägel zu ersetzen. Je nach Qualität der Nägel und Beschaffenheit der Straßen war ein Satz Nägel nach 500 bis 1000 Kilometern verbraucht, wobei die Lebensdauer durch das Umsetzen stark abgenutzter Nägel an weniger belastete Stellen erhöht werden konnte.<sup id="cite_ref-Legionen_158_7-2" class="reference"><a href="#cite_note-Legionen_158-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Schuhe selbst wurden wahrscheinlich selten repariert, sondern eher ersetzt, worauf neben den seltenen Funden geflickter Exemplare auch Dokumente hinweisen, die von drei Paar Schuhen pro Jahr für einen Soldaten berichten.<sup id="cite_ref-Sumner_11-1" class="reference"><a href="#cite_note-Sumner-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Neben dem Nutzen als Marschschuh diente die genagelte Sohle der Caligae wahrscheinlich auch dazu, die Wirkung von Tritten gegen das Schienbein des Gegners oder gegen gestürzte Gegner empfindlich zu verstärken.<sup id="cite_ref-Legionen_160_20-0" class="reference"><a href="#cite_note-Legionen_160-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Kulturelle_Rezeption">Kulturelle Rezeption</h2></div>
<p>Schon in der Antike wurden die Caligae als charakteristische Ausrüstungsstücke der römischen Soldaten wahrgenommen und verschiedene Begriffe, die sich auf den Militärdienst beziehen, greifen Caligae als Kennzeichen der Soldaten auf. So wurden die Mannschaftsränge als <i>milites caligati</i> bezeichnet und die aus ihnen hervorgehenden höheren Ränge als <i>milites ex caliga</i>. <a href="Juvenal" title="Juvenal">Juvenal</a> charakterisiert in seiner dritten Satire unter den verschiedenen Menschen, denen er in Rom begegnet, Soldaten durch ihre genagelten Sohlen und beschreibt hier und später, wenn er vom Militärdienst spricht, den schmerzhaften Kontakt mit den genagelten Sohlen von Soldaten.<sup id="cite_ref-Juvenal_21-0" class="reference"><a href="#cite_note-Juvenal-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In einer Szene des Romans <a href="Satyricon_(Petron)" title="Satyricon (Petron)">Satyricon</a> von <a href="Titus_Petronius_Arbiter" class="mw-redirect" title="Titus Petronius Arbiter">Titus Petronius Arbiter</a> versucht der Erzähler sich als Soldat auszugeben, verrät sich aber durch seine weißen Schuhe.<sup id="cite_ref-Petronius_22-0" class="reference"><a href="#cite_note-Petronius-22"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Caligae sind auch der Ursprung des Spitznamens „Caligula“ (‚kleiner Soldatenschuh, Soldatenstiefelchen‘,<sup id="cite_ref-23" class="reference"><a href="#cite_note-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> also <i>kleine Caliga</i>) des römischen Kaisers <a href="Caligula" title="Caligula">Gaius Caesar</a>, der auf dessen Kindheit im Feldlager seines Vaters <a href="Germanicus" title="Germanicus">Germanicus</a> anspielt, wo der Junge eine für ihn angefertigte Miniaturausführung der regulären Soldatenkleidung getragen haben soll.<sup id="cite_ref-Southern_24-0" class="reference"><a href="#cite_note-Southern-24"><span class="cite-bracket">[</span>24<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Auch später soll er nach Sueton bevorzugt die <i>caliga speculatoria</i> der Prätorianer getragen haben.<sup id="cite_ref-Suetonius_8-1" class="reference"><a href="#cite_note-Suetonius-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Spätestens im 4. Jahrhundert scheint man unter <i>caligae</i> nicht mehr ausschließlich die klassischen Militärstiefel verstanden zu haben, denn im <a href="H%C3%B6chstpreisedikt" title="Höchstpreisedikt">Höchstpreisedikt</a> des Kaisers <a href="Diokletian" title="Diokletian">Diokletian</a> sind unter dieser Bezeichnung Schuhe ohne Nägel für Bauern und Maultiertreiber mit einem Höchstpreis von 120 <a href="Denarius" class="mw-redirect" title="Denarius">Denarii</a> und ebenfalls ungenagelte Schuhe für Soldaten mit 100 Denarii aufgeführt.<sup id="cite_ref-25" class="reference"><a href="#cite_note-25"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ob diese Schuhe sonst wie die klassischen Caligae konstruiert waren, ist unbekannt.<sup id="cite_ref-Goldman_122_26-0" class="reference"><a href="#cite_note-Goldman_122-26"><span class="cite-bracket">[</span>26<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der Begriff <i>caliga</i> taucht auch in mittelalterlichen Texten wie den Bekleidungsregeln für Mönche auf, allerdings kann hier schon eine weitere Bedeutungsänderung stattgefunden haben, so dass oft unklar ist, ob damit eine Fußbekleidung oder Formen von Unterbekleidung gemeint sind.<sup id="cite_ref-Tugwell_27-0" class="reference"><a href="#cite_note-Tugwell-27"><span class="cite-bracket">[</span>27<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Später werden als <i>caligae</i> die Strümpfe bezeichnet, welche zusammen mit <a href="Pontifikalschuhe" title="Pontifikalschuhe">Pontifikalschuhen</a> die Fußbekleidung von <a href="Bischof" title="Bischof">Bischöfen</a> und <a href="Abt" title="Abt">Äbten</a> beim <a href="Pontifikalamt" title="Pontifikalamt">Pontifikalamt</a> bildeten.
</p><p>Im 20. Jahrhundert wurden die Caligae als charakteristisches Merkmal in der Antike spielender <a href="Historienfilm" title="Historienfilm">Historienfilme</a> wahrgenommen, was sich in der Gattungsbezeichnung „<a href="Sandalenfilm" title="Sandalenfilm">Sandalenfilm</a>“ (auch <a href="Englische_Sprache" title="Englische Sprache">englisch</a>: <i>sword-and-sandal</i> und <a href="Italienische_Sprache" title="Italienische Sprache">italienisch</a>: <i>sandaloni</i>) niederschlägt. Dabei treten Caligae auch <a href="Anachronismus" title="Anachronismus">anachronistisch</a> in Epochen und Regionen auf, in denen sie nicht getragen wurden, so zum Beispiel bei den historisch barfuß kämpfenden <a href="Sparta" title="Sparta">spartanischen</a> <a href="Hoplit" title="Hoplit">Hopliten</a> in <i><a href="Der_L%C3%B6we_von_Sparta" title="Der Löwe von Sparta">Der Löwe von Sparta</a></i> <i>(The 300 Spartans)</i> von 1960.<sup id="cite_ref-Nikoloutsos_28-0" class="reference"><a href="#cite_note-Nikoloutsos-28"><span class="cite-bracket">[</span>28<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In Anlehnung an die antiken Caligae werden auch verschiedene Ausführungen moderner Sandalen als „Römersandale“ bezeichnet, diese sind allerdings in der Bauweise mit antiken Caligae nicht vergleichbar.<sup id="cite_ref-Spiegel_29-0" class="reference"><a href="#cite_note-Spiegel-29"><span class="cite-bracket">[</span>29<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Walter_Hatto_Gross" title="Walter Hatto Gross">Walter Hatto Gross</a>: <i>Caliga.</i> In: <i><a href="Der_Kleine_Pauly" title="Der Kleine Pauly">Der Kleine Pauly</a></i> (KlP). Band 1, Stuttgart 1964, Sp. 1015.</li>
<li><a href="Marcus_Junkelmann" title="Marcus Junkelmann">Marcus Junkelmann</a>: <cite style="font-style:italic">Die Legionen des Augustus. Der römische Soldat im archäologischen Experiment</cite> (= <cite style="font-style:italic"><a href="Kulturgeschichte_der_Antiken_Welt" class="mw-redirect" title="Kulturgeschichte der Antiken Welt">Kulturgeschichte der Antiken Welt</a></cite>. <span style="white-space:nowrap">Band<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>33</span>). 5. Auflage. Philipp von Zabern, Mainz 1991, ISBN 3-8053-0886-8, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>158–161</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Caliga&rft.au=Marcus+Junkelmann&rft.btitle=Die+Legionen+des+Augustus.+Der+r%C3%B6mische+Soldat+im+arch%C3%A4ologischen+Experiment&rft.date=1991&rft.edition=5.&rft.genre=book&rft.isbn=3805308868&rft.pages=158-161&rft.place=Mainz&rft.pub=Philipp+von+Zabern&rft.series=Kulturgeschichte+der+Antiken+Welt" style="display:none"> </span></li>
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